Fabrikarbeiter um 1900
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Zurück in die Zukunft – erste betriebseigene Unterstützungskasse

Wenn Sie in diesem Beitrag eine allgemeine Abhandlung über die Vor- und Nachteile einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV) erwarten, dann läge das deutlich unter unserer Aufklärungsabsicht. Informationen über pauschales ‚Für oder Wider‘ einer bAV finden Sie reichlich im Internet. Viel eher wollen wir ein eigentlich altes, bereits seit 180 Jahren bestehendes – betriebswirtschaftlich gesehen – hoch interessantes Modell namens „Unterstützungskasse“ näher betrachten.

Die anhaltende Niedrigzinsphase verschafft diesem alten Modell der betrieblichen Altersvorsorge ein Comeback. Für Unternehmen bedeutet es neben einer einfachen betrieblichen Vorsorge enorme zusätzliche Vorteile.

Wir springen kurz zurück  in die   preußische  Geschichte, in die Zeit sogar noch vor der bismarckschen Schaffung eines  Sozialversicherungssystems. Um ihren Mitarbeitern eine Absicherung für das Alter zu bieten, schufen die ersten großen Unternehmen Einrichtungen, die Mitarbeiter und ihre Familien für den Notfall absichern sollten: Die Unterstützungskasse war geboren. Den Anfang machte das Stahlunternehmen   „Gutehoffnungshütte“, ihm folgten Firmen wie Krupp, Siemens und die Farbwerke Hoechst. Die Unterstützungskasse ist damit die älteste Form der betrieblichen Altersversorgung.

gutehoffnungshuette 1902

gutehoffnungshütte gründete als erstes deutsches unternehmen eine unterstützungskasse für beschäftigte

Auch heute noch haben vor allem große Unternehmen Unterstützungskassen für ihre Beschäftigten. Allerdings ist das Sozialversicherungssystem unserer Zeit diversifizierter und komplizierter. Die betriebliche Altersvorsorge ist eine von drei Säulen der Altersvorsorge, steht aber angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase vor großen Schwierigkeiten: Ihre Verbreitung verharrt weiter auf niedrigem Niveau und dass die Leistungsversprechen gerade der Versicherer alle eingehalten werden können, ist etlichen Studien renommierter Institutionen zufolge unsicher geworden. Viele Pensionskassen stöhnen bereits unter der Last ihrer Pensionsverpflichtungen. Bei Zahlungsausfall steht das jeweilige Unternehmen gemäß Betriebsrentengesetz selbst in der Haftung – es muss zahlen!

Aufgrund  ihrer  Komplexität  macht  die „U-Kasse“  (heute  heißt  sie  im Fachjargon ,,pauschaldotierte Unterstützungskasse“) nur  etwa zehn Prozent  des Marktvolumens aus. Gerade heute gewinnt sie jedoch vor dem Hintergrund niedriger Zinsen wieder an Bedeutung. Denn die pauschaldotierte Unterstützungskasse nimmt eine Sonderrolle in der Reihe der bAV-Instrumente ein: Die Arbeitnehmer wandeln Gehaltsbestandteile (Entgeltumwandlung) in eine Art Darlehen an das Unternehmen um, der Arbeitgeber gibt meist  einen Anteil dazu, zumal das Geld ja in die firmeneigene Kasse fließt. Die Arbeiter und Angestellten werden so  gewissermaßen  an ihrem  Betrieb  beteiligt. Sie sehen regelrecht,  wie ihr Geld im Betrieb tagtäglich arbeitet und das vom ersten Euro an. Deshalb ist “Betriebssparen“   anstelle des  umständlichen  Begriffs   „pauschal  dotierte Unterstützungskasse“ wohl zutreffender. Die Beiträge der Beschäftigten sind eine  Investition als Produktivkapital. Als ein solches verspricht dieses gerade jetzt eine weit  höhere Rentabilität als die Zinsen beispielsweise  von Staatspapieren. Für Arbeitnehmer  ergeben sich in der gegenwärtigen Lage und je nach Unternehmenszahlen rund 1,5 Prozent, zuweilen auch zwei Prozent zugesagte jährliche Verzinsung ihrer Beiträge. Die auf diese Weise geleisteten Beträge sind für Arbeitnehmer durch den Pensionssicherungsverein der deutschen Wirtschaft (PSVaG) insolvenzgeschützt

 

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