fliegende Prozente
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Wie soll ich denn dauerhaft 1,5% Zinsen erwirtschaften?

Diese Frage wird offensichtlich sehr oft gestellt. Das mag daran liegen, dass wir Menschen wohl eher unterbewusst sofort an Banken oder Versicherungen denken, sobald das Wort ZINSEN fällt. Vielleicht hilft es ja im ersten Schritt, das Wort “Zins” in seinem engeren Sinn mal zu verdrängen und eher mit “Rendite” zu ersetzen. Warum? Das wird Ihnen vielleicht im Lauf des Lesens klarer.

Übrigens, auch uns persönlich wird diese Frage des Öfteren gestellt, allerdings haben wir uns aufgrund der folgenden Erfahrung angewöhnt, spontan diese Gegenfrage zu stellen: “Lieber Unternehmer, haben Sie bereits eine Art betrieblicher Altersvorsorge in Ihrem Unternehmen eingeführt … ?” Sie kann manchmal sehr klärend sein, wie Sie im nachfolgenden Beispiel lesen können:

Geschichten aus der Praxis:

Zinsen oder Rendite

Also, vor ein paar Wochen saß ich in einem sehr nett eingerichteten Büro eines Firmeninhabers, der die Firma bereits von seinem Vater übernommen hatte, aber nach seinen Angaben von damals 8 Mitarbeitern auf heute 23 ausgebaut hätte. Auftragsbücher voll und Bankverbindlichkeiten hätte er auch schon lange keine mehr, aber ihn würde das Thema grundsätzlich schon interessieren, insbesondere für seine Angestellten, die jetzt Direktversicherungen durch Gehaltsumwandlung hätten. ABER! Die ZINSEN!  Auf meine oben erwähnte Frage kam die Antwort “JA” – ich spontan gleich weiter: “… und wie viele Ihrer Mitarbeiter machen da mit?” – Antwort: “… soweit mir bekannt 11 Leute …” Meine Reaktion: “Wow, Gratulation, das ist ja mal deutlich über dem Durchschnitt … Würden Sie mir verraten, wieviel diese Mitarbeiter so monatlich investieren?” Er: “… das ist unterschiedlich, die meisten 100,- Euro, einige 150,- und einer 200,- Euro.” Meine Frage aus reiner Neugier: “Und? Geben Sie als Chef was dazu?” “Ja, mein Makler sagte mir, die Firma würde durch die Entgeltumwandlung so ca. 50,- Euro pro Mitarbeiter an Steuern und Abgaben sparen und so kriegt jetzt jeder der mitmacht 50,- Euro von der Firma dazu …” Meine Antwort: “Zunächst, Herr ……, ehrt Sie, dass sie eine sehr soziale Einstellung gegenüber Ihren Mitarbeitern haben, indem Sie das Firmengeld, was Sie durch den Brutto-Entgeltverzicht Ihrer Beschäftigten einsparen, weitergeben – das ist nicht immer der Fall … aber lassen Sie uns zurückkommen auf Ihr Thema mit den Zinsen: Wenn Sie den Mitarbeitern, die 100,- Euro für ihre Vorsorge umwandeln 50,- Euro geben, dann sind das doch ziemlich genau 50%, bei denen mit 150,- noch 33% und bei dem mit 200,—immer noch 25% Zulage – oder? D.h. Sie zahlen freiwillig von vornherein quasi einen fest zugesagten “Zins” von überwiegend 50% monatlich und fragen mich, wie Sie 1,5% pro Jahr erwirtschaften sollen?! – Umgerechnet auf den Monat wären das dann 1,50 Euro mehr, also 51,50 Euro … müssen wir uns da jetzt Sorgen um Ihre Firma machen?” Er, amüsiert lächelnd: “Naja, so habe ich das noch gar nicht gesehen … allerdings steigen die Zuzahlungen ja auch von Jahr zu Jahr, wenn auch wenig …”, Ich: “Ja, in einem Jahr wären es dann monatlich nochmal 1,52 Euro mehr und steigt jedes Jahr um einen solchen Betrag weiter – allerdings langsam über viele, viele Jahre hinweg und nicht gleich wie Ihr “Sofort-Zins” und eines wird es auch nicht geben: nochmal 50% zu erreichen – versprochen . . . .!”

Viele Zahlen und Prozente verwirren

Zinsen oder Rendite? Wie viel Prozent?

Alles nur Betrachtungsweise? Glas … halbvoll oder halbleer?

Vielleicht erkennt sich der ein oder andere Leser hier wieder bzw. erkennt zum einen die doch überschaubaren Relationen und zum anderen, dass es nicht immer nur um ”Zinsen” im klassischen Sinne geht. Es gibt da draußen auch Unternehmer die sagen, wenn es um Fachkräftegewinnung oder Mitarbeiter-Bindung/-Motivation geht, ist das doch gar kein Geld – ich würd’ sogar glatt das doppelte zahlen . . .  Oder solche, die Firmendarlehen haben: Stellen Sei sich doch einmal vor, Sie bekämen einen Bonitäts- und Sicherheiten-freien Bankkredit für 1,5% Zinsen, rückzahlbar, wann immer Sie wollen innerhalb der nächsten 25-30 Jahre. Rein vorsorglich für Kritiker: Ja – das Darlehen muss wie alle anderen auch zurückgezahlt werden und da setzen wir auf die unternehmerische Vernunft des Einzelnen mit allen Konsequenzen, allerdings kann es gegenüber immer restriktiver agierender Banken und Verschärfung von Basel II und III in einigen Fällen sinnvoll sein, insbesondere in Zeiten von Bankenkrisen, in der selbst bonitätsstarke Firmen kein Geld bekamen, weil einfach keines mehr da war . . .

Oder auch gerade Unternehmen, denen es finanziell gut geht und vielleicht noch weiter wachsen wollen? Deren Firmenchefs müssten doch wissen, wie man 1,5% und mehr(!) erwirtschaftet. Entweder durch einen Rückblick auf die letzten Bilanzen oder vielleicht sogar im privaten Umfeld, wo Vermögen angelegt werden kann und wird! Und alle anderen Firmen, die Zweifel daran haben, eine solche Rendite je erwirtschaften zu können sollten sich tatsächlich einmal kritisch mit ihren Zahlen auseinandersetzen, bevor sie über ein solches, betriebswirtschaftlich geniales, Modell nachdenken.

Focus Nachrichtenmagazin No 20 vom 14 Mai 2016-Titelstory_Seite_1

Hier noch ein Zitat aus dem FOCUS Nr. 20/16 v. 14.05.2016:

“. . . Viele Unternehmen wählen den vermeintlich einfachsten Weg, die Direktversicherung. Auf Grund der Niedrigzinsphase und hoher Kosten ist sie jedoch extrem unattraktiv und teuer. Ebenso die beiden anderen Varianten über Versicherungen wie Pensionsfonds oder Pensionskassen. Wesentlich lukrativer ist für Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Variante der sogenannten pauschal dotierten Unterstützungskasse. Hierbei sind reine Arbeitgeberbeiträge unbegrenzt steuer- und sozialabgabenfrei. Die Einzahlungen der Arbeitnehmer sind ebenfalls unbegrenzt steuerfrei und in 2016 bis 2976 Euro auch abgabenfrei. Der Vorteil: Bei dieser Variante zählen die Sparbeiträge nicht als Lohn und bleiben im Unternehmen – z. B. als Finanzierungsreserve für Investitionen anstelle von Bankkrediten. Bei der Verzinsung orientieren sich viele Unternehmen nicht an externen Kapitalmärkten, sondern an ihren eigenen Renditen. Und die lassen Direktversicherungen sowie Pensionsfonds oder -kassen blass aussehen: Mittelständische Betriebe erzielten 2014 im Schnitt sieben Prozent Umsatzrendite . . .

Hier zum Schluss nochmal eine Zusammenfassung:

Liebe Unternehmer – Ihr könnt es doch . . . also, nur Mut – denn nur wer arm an Mut ist, ist zur ArMut verdammt . . . .

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