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Warum nicht die Pflicht zur Kür machen?

Spätestens seit 2002 hat jeder Arbeitgeber in Deutschland eine fest definierte Fürsorge- und Aufklärungspflicht bzgl. der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Und wer immer noch denkt, aufgrund gewisser Risiken Arbeitnehmern besser keine diesbezüglichen Angebote zu unterbreiten, steht spätestens dann vor einem Problem, wenn die oder der erste Angestellte eine bAV fordert. Denn laut Gesetz sind alle Arbeitgeber verpflichtet, mindestens einen Weg der bestehenden 5 Durchführungswege in der bAV anzubieten. In der Praxis läuft dies meist so ab, dass ein(e) Angestellte(r) einen frisch unterschriebenen Vertrag mit einer Versicherungsgesellschaft seinem Chef vorlegt und dieser seine Buchhaltung anweist, die Beiträge daraus über Entgeltumwandlung (Abzug von Bruttoeinkommen) auf der nächsten Gehaltsabrechnung zu berücksichtigen und das Geld an die Versicherung zu überweisen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt greift übrigens die oben erwähnte Aufklärungspflicht gegenüber der restlichen Belegschaft. Also der Arbeitgeber muss, ohne z. B. die Versicherungsgesellschaft und deren Tarife bzw. Bedingungen näher zu kennen, diesen Vertrag akzeptieren. Es sei denn – und das ist tatsächlich der einzig zulässige Grund einer Ablehnung – die Firma verfügt über ein eigenes Versorgungswerk, das sie eben diesem Angestellten für seinen Wunsch, betriebliche Vorsorge betreiben zu wollen, anbieten kann. In der Praxis fehlt diese Alternative jedoch häufig. Daher stammen von Firmeninhabern dann auch solche Sätze wie: “Eigentlich wollte ich ja nicht, aber ich hatte ja keine Wahl …”, “Ich musste ja …”, “Wenn es nach mir ginge …” oder “Hab halt meine Pflicht getan …”

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Was wäre eigentlich, wenn bereits ein betriebliches Versorgungswerk bestünde? Und vor allem, wofür könnte das neben einem “Ablehnungsgrund für Fremdprodukte” noch nützlich sein? Naja, dafür gibt es noch wesentlich mehr Gründe und vor allem Vorteile für das Unternehmen, wie bereits schon mehrfach erwähnt. Aber Moment mal, da höre ich doch glatt schon wieder die ersten Gegenrufe: “Was soll ich mit so einem Versorgungswerk ….”, “Ich will doch nicht noch mehr Verantwortung – Stress hab’ ich genug …” oder “Soll ich jetzt etwa auch noch die Geldverwaltungsaufgaben einer Versicherung übernehmen …?”. Können Sie sich eigentlich vorstellen, dass eine Versicherung Ihnen gegenüber stöhnend verlauten lässt: “Jetzt müssen wir uns auch noch um die Altersvorsorgeversprechen dieser Arbeitgeber kümmern …”, “Und sollen auch noch deren Geld verwalten …” oder “Sollen die sich doch mit ihren Angestellten selbst drum kümmern – was geht uns deren Betriebsrente an …” . . .? Wohl kaum – oder?

Also, machen wir doch aus dieser Pflicht eine Kür, erstellen eine eigene Versorgungsordnung (bitte nur mit Profis wie Rechtsanwälten oder Wirtschaftsprüfern!) und gründen ein eigenes Versorgungswerk für eine echte Betriebsrente für unsere Mitarbeiter. Dann motivieren wir unsere Angestellten mitzumachen – ist ja für die Firma und damit auch ihren Arbeitsplatz, indem wir ihnen einen der Gegenwart angemessenen Zins zusagen (z.B. echte 1,5% p.a.) und sammeln das Geld in einer eigenen Betriebskasse ein. Wenn etwas zusammengekommen ist, können wir uns immer noch überlegen, ob das Geld für betriebliche Zwecke – z. B. neue Aufträge, Schnäppchen-Einkäufe o.ä. eingesetzt oder z. B. in Realwerte entsprechend angelegt werden soll. Die einzige Frage, die Ihre Mitarbeiter stellen – und das tun sie immer(!): Hört sich ja ganz gut an, aber was ist eigentlich wenn …, also wenn …, naja also wenn der Chef pleite geht?

insolvency-593750_1280Dann können Sie als Unternehmer in voller Überzeugung sagen: Liebe Mitarbeiter, wenn das passieren sollte, dann bin ich – neben dem Arbeitsplatzverlust – der einzige, der Pech hat, denn Eure Einzahlungen sind einschließlich Verzinsung staatlich gegen Ausfall gesichert und damit noch sicherer als bei jeder Versicherung!

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